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Ein Schweißkabinen-System ist ein abgegrenzter Arbeitsbereich, der Schweißende vor den beim Schweißen entstehenden Strahlungen, Funken, Schweißrauch und Lärm schützt. Die Kabine fasst Gehäuse, Schutzfenster, Schweißtisch, Absaugung und Beleuchtung zu einer sicheren Einheit zusammen und gehört heute zur Grundausstattung vieler metallverarbeitender Betriebe.

 

Was ist ein Schweißkabinen-System?

Beim Schweißen entstehen grelles Licht, heiße Funken und feiner Rauch, die für Umstehende gefährlich werden können. Ein Schweißkabinen-System schließt all dies in einem begrenzten Raum ein: Es ist eine modular oder fest installierte Arbeitsstation zum Schweißen, die den Schweißbereich räumlich von der restlichen Umgebung trennt. Die Kabine umschließt dabei den Arbeitsplatz und bündelt alle Einrichtungen, die für das sichere Schweißen nötig sind.

 

Zum typischen Aufbau gehören ein Gehäuse oder Rahmen, Sichtfenster und Schutzvorhänge, ein Schweißtisch, eine Absaugung sowie eine gute Beleuchtung und Lüftung. Das Gehäuse begrenzt die Lichtbogenstrahlung, während die Verglasung vor UV-Strahlung und dem Funkenflug schützt. So gibt es einen abgegrenzten Bereich, in dem die Schweißarbeiten geordnet und geschützt ablaufen.

 

Eine Sache der Sicherheit: Diese Schutzfunktionen erfüllt eine Schweißkabine

Die wichtigsten Funktionen einer Schweißkabine sind zwei Dinge: Arbeitsschutz und Abschirmung. Unter anderem reduziert die Kabine die Belastung durch Gefahrstoffe in der Atemluft, schützt vor UV-Strahlung und Funkenflug und dämpft gleichzeitig den Geräuschpegel im Betrieb.

 

Alle Schutzfunktionen auf einen Blick

 

  • Strahlungsschutz: Sie schirmt gefährliche UV- und Infrarotstrahlung des Lichtbogens ab und schützt die Augen und Haut von unbeteiligten Personen.
  • Blendungsschutz: Vorhänge und Abschirmungen reduzieren die Blendwirkung des Schweißlichts, lassen aber ausreichend Sicht in den Arbeitsbereich.
  • Schutz vor Funken und Spritzern: Die Kabine hält Funkenflug, Schweißspritzer und Schlackenteile im Arbeitsbereich zurück.
  • Rauch- und Luftführung: Sie begrenzt die Ausbreitung von Schweißrauch in der Werkstatt und kann die Luftführung unterstützen; für den vollständigen Arbeitsschutz ist jedoch eine wirksame Absaugung erforderlich.
  • Schutz der Schutzgashülle: Bei Schutzgasschweißverfahren kann eine Kabine Zugluft abhalten und so helfen, die schützende Gashülle um die Schweißstelle zu erhalten.
  • Lärm- und Sichttrennung: Je nach Ausführung reduziert sie Licht- und Lärmbelastung für die Umgebung und trennt den Schweißbereich klar von anderen Arbeitsplätzen.
  • Brandschutzunterstützung: Flammhemmende Schweißvorhänge und -wände verringern das Risiko, dass Funken entflammbare Materialien in der Umgebung erreichen.

 

Diese Arten von Schweißkabinen und Schutzkabinen gibt es

Schweißkabinen-Systeme unterscheiden sich vor allem in ihrer Mobilität und dem genutzten Material. Feste Wandsysteme beispielsweise bieten einen besonders robusten Schutz und eignen sich für serielle Handarbeitsplätze, während sich modulare Kabinen flexibel umbauen und einsetzen lassen. 

 

Die Bauform hängt dabei in der Regel mit dem Schutzziel zusammen:

 

  • Modulare Schweißkabinen: ideal für Ausbildungswerkstätten und flexible Fertigungsbereiche, dank modularer Bauweise schnell anpassbar
  • Feste Wandsysteme: robuster Dauerschutz für serielle Handarbeitsplätze
  • Schutzkabinen: optimaler Schutz vor Staub und Dämpfen
  • Laser-Schutzkabinen: Schutz vor Laserstrahlung und Emissionen
  • Strahlenschutzkabinen: erfüllen gesetzliche Strahlenschutzvorschriften
  • Schallschutzkabinen: senken den Lärm und verbessern die Produktivität

 

Saubere Luft für Umwelt und Umgebung: Darum ist die Absaugung in der Kabine so wichtig

Beim Schweißen entsteht gesundheitsschädlicher Rauch, Gase und Staub. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) stuft Schweißrauche nicht umsonst seit 2018 als krebserzeugend für Menschen ein. Besonders kritisch sind unter anderem Chrom-, Nickel- und Manganverbindungen.

 

Eine Schweißkabine begrenzt zwar die Ausbreitung dieser Schadstoffe, ersetzt aber keine wirksame Absaugung. Deshalb ist es besonders wichtig, die Schweißrauche möglichst direkt an ihrer Entstehungsstelle zu erfassen, bevor sie überhaupt in die Atemluft und dadurch in die Atemwege gelangen können. Dafür eignen sich insbesondere brennerintegrierte Absaugsysteme, Absaugarme, Absaughauben oder Schweißtische mit Rückwandabsaugung.

 

Eine zusätzliche, gezielte Zuluftführung versorgt den Arbeitsplatz außerdem mit Frischluft, während die belastete Luft kontrolliert abgeführt wird. Das verbessert zum einen die Sichtverhältnisse und schützt zum anderen auch andere Beschäftigte in der Umgebung.

 

Das passende Schweißkabinen-System für jede Anwendung

Die Wahl des Schweißkabinen-Systems hängt von Schweißverfahren, Werkstückgröße und Absaugungsanforderungen ab. Schon der Werkstoff – sei es Stahl, Edelstahl, Aluminium oder verzinkter Stahl – bestimmt mit, wie viel Rauch entsteht und wie stark entsprechend abgesaugt werden muss. 

 

Die folgenden Kriterien sind bei der Auswahl besonders wichtig:

 

  1. Schweißverfahren: Das Verfahren bestimmt Rauchmenge, Wärmeentwicklung und Absaugbedarf. MIG/MAG eignet sich im Allgemeinen für viele allgemeine Anwendungen, WIG bietet eine hohe Nahtqualität, das Elektrodenschweißen ist mobil und ohne Schutzgas möglich, während Plasma- und Laserstrahlschweißen aufgrund der teils sehr feinen Partikel- und Ozonentstehung besondere Anforderungen an Schutz und Luftführung stellen.
  2. Bauteilgröße: Kleine Teile lassen sich meist bequem auf einem Schweißtisch innerhalb der Kabine bearbeiten. Große oder lange Bauteile benötigen hingegen ausreichend Platz, eine geeignete Positioniertechnik und häufig auch eine brennerintegrierte oder nachführbare Absaugung.
  3. Fertigungsart: Bei Einzelteilen und Kleinserien ist eine manuelle Schweißkabine oft ausreichend, doch für wiederkehrende Serienaufgaben kann eine automatisierte Schweißzelle mit Roboterschweißen, Spannvorrichtung und integrierter Absaugung um einiges effizienter sein.
  4. Luftführung und Wartung: Die Luft sollte so geführt werden, dass der Schweißrauch gezielt zur Absaugung gelangt und nicht durch den Atembereich zieht. Filter, Kanäle und Lüftungskomponenten brauchen außerdem feste Prüf- und Wartungsintervalle, damit der Schutz dauerhaft bestehen bleibt.
  5. Vorhandenes Equipment: Die Kabine sollte zu den eingesetzten Schweißgeräten, Spannvorrichtungen, Positionierern und Steuerungen passen. So lassen sich Arbeitsablauf, Sicherheitstechnik und Absaugung bestens auf die tatsächliche Fertigungsaufgabe abstimmen.

 

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welche Vorschriften gelten für ein Schweißkabinen-System?

Für Schweißkabinen-Systeme gelten in Deutschland insbesondere die Anforderungen der TRGS 528 „Schweißtechnische Arbeiten“. Schweißrauche sind grundsätzlich möglichst nah an der Entstehungsstelle zu erfassen. Die Absaugung und gegebenenfalls die Rückführung der gereinigten Luft müssen den geltenden Vorschriften und den Anforderungen der Gefährdungsbeurteilung entsprechen. Absaug- und Lüftungseinrichtungen sind regelmäßig gemäß den Herstellervorgaben zu warten und mindestens einmal jährlich auf ihre Funktionsfähigkeit zu prüfen. Darüber hinaus ist die ausreichende Wirksamkeit der getroffenen Schutzmaßnahmen regelmäßig zu überprüfen.

 

Was unterscheidet eine Schweißkabine von einer Schweißzelle?

Eine Schweißkabine ist ein räumlicher Schutz- und Arbeitsbereich für meist manuelles Schweißen, bestehend aus Kabine, Tisch, Absaugung und Beleuchtung. Eine Schweißzelle dagegen ist eine automatisierte Fertigungseinheit mit Roboter, Spannvorrichtung, Schweißquelle und Sicherheitstechnik für die Serienfertigung.

 

Welche Absaugung eignet sich für eine Schweißkabine?

Das kommt ganz drauf an: Die passende Absaugung richtet sich in der Regel nach dem Bauteil und der Rauchentwicklung. Brennerintegrierte Absaugung eignet sich für lange Nähte und große Bauteile, eine Tischabsaugung für feste Kleinteil-Plätze, ein nachführbares Element für wechselnde Positionen und eine Haubenabsaugung für größere Arbeitsbereiche.

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